
So ergab es sich, dass wir den in Maui lebenden David Bruce Leonard, der auf der Xplore die Workshops „Das heilige Ja“ und „Das heilige Nein“ geleitet hatte, ins Osho Mauz2 eingeladen hatten, um einen ganztägigen Workshop zu seiner Paarmassage mit dem schönen Namen „Rivers of Love“ zu geben. Tandana und ich nahmen ebenfalls teil.

Den Backofen gut vorheizen

Als ein Ritual, speziell für Liebende in einer Partnerschaft, ist es sehr gezielt dazu gedacht, den anderen in höchste sexuelle Erregung zu führen. Sie enthält neben vielen zärtlichen und kräftigen, öffnenden Ausstreichungen auch zahlreiche Umarmungen und Umschlingungen, bei denen man oft unter den Körper greift, mit dem Gewicht des anderen arbeitet, sowie zahlreiche, zum Teil echt abgefahrene Kuss und Zungentechniken – beispielsweise der „Humming Bird“, bei dem der Mund des Masseurs zu einem lebenden Vibrator wird – die für reichlich anfängliches Gelächter und später dann zu tränenreichen, tiefen Orgasmen führten.
Was die andere Hand macht ist fast egal

Wir lachten, aber er meinte es ernst. „You keep one hand there almost throughout the whole massage, and you keep moving and stroking. As long as you touch him there, he’s happy for sure, it almost doesn’t matter what your other hand does.“ Das Prinzip beim Mann, erklärte er uns, sei umgekehrt als bei der Frau, es heiße „Spiraling out for take off“ – Sie solle die Energie von Anfang an im sexuellen Zentrum des Mannes aufbauen und sie von dort aus ausgiebig und hingebungsvoll im ganzen Körper verteilen.
Endlich sagt mal einer die Wahrheit!
Ich war so glücklich! Ich fühlte mich als männliches, sexuelles Wesen in einer völlig neuen, angemessenen Weise wahrgenommen und gewertschätzt. Gut, ich möchte einräumen, ich hatte mich weder mit hawaiianischen Massagen noch mit dem Daoismus bislang eingehender beschäftigt, und vielleicht ist es einfach dieser Bildungslücke geschuldet, aber ich glaube wir alle empfanden diesen Ansatz als radikal und im Kontext unseres tantrischen Paradigmas fast als Sakrileg. David hatte mit einem Tabu gebrochen.
Ich spreche natürlich nur aus meinem Erfahrungsraum heraus darüber, was mir eben in hauptsächlich Berliner aber auch gesamtdeutschen Tantrakreisen bislang so an Wertecodex über den Weg gelaufen ist. Da war zwar in Tantramassage-Seminaren und anderen Situationen des öfteren die Rede davon, dass man mit Männern anders umgeht als mit Frauen. So hörte ich mal eine renommierte Tantramassage-Ausbilderin sagen: „Ich habe öfter Männer, die brauchen einfach erstmal einen schönen Orgasmus, damit sie überhaupt zur Ruhe kommen und sich auf ein tieferes Erleben einlassen können“, aber die Berührung ihres werten Teiles hat eigentlich trotzdem erst im letzten Teil der Massage zu erfolgen. Da schwingt für mich immer so eine negative Wertung mit, als ob man den Männern eben gewisse Schwächen zugestehen müsse, die sind halt oft noch nicht so weit… *räusper*.
Die Schuld der Männer sitzt tief

Auch Tandana hatte manchmal in Tantramassagen das Gefühl, dass der Lingam eigentlich zuerst berührt und verwöhnt werden möchte, und dass Mann und Frau in dieser Sache einfach sehr verschieden sind, und konnte von daher Davids Ansatz nur unterstreichen.
Das alte Missverständnis ausräumen

Unsinn! Das gilt sicherlich für den Weg der weiblichen sexuellen Energie. Sie nimmt den Weg zuerst durch das Herz und am Ende zur Yoni, aber die männliche fließt natürlich andersherum. Hier steht der Lingam sprichwörtlich am Anfang – und nur um Missverständnissen vorzubeugen, das große Finale bleibt trotzdem am Ende und zeitlich wie energetisch weit davon entfernt. Es geht nicht darum, dass irgendwas schnell gehen soll, auf Kosten des tiefen tantrischen Erlebens. Nein, Es geht einfach darum das Haus durch die Vordertür zu betreten anstatt durch’s Fenster zu klettern. Die Vordertür ist bei der Frau das Herz und beim Mann ist es der Lingam. Selbst das Yin- Yang-Symbol veranschaulicht diese Energieflussrichtungen augenscheinlich.
Diese Idee wirklich zu beJAAA!hen und wertzuschätzen hat schon bei den ersten Anläufen sie in unsere Sexualität zu integrieren zu verheißungsvollen Veränderungen geführt. Man kann das Prinzip nämlich auch schon in verkleinerter Form auf das „einfache“ sexuelle Vorspiel im alltäglichen Liebesspiel anwenden. Irgendwie war da früher immer so die unbewusste Annahme, man müsse mehr oder weniger gemeinsam diese Schwelle zwischen den züchtigen Zärtlichkeiten und der handfesten Genitalstimulation überschreiten, und nicht selten entstand da so ein Tauziehen, weil es für sie oft zu schnell und für ihn oft zu langsam ging.
Die Stimulation nicht mehr als Appell begreifen

Tantra ist eben auch ein Frauenkult

Wer sich mit Rivers of Love eingehender beschäftigen möchte, dem sei David Bruce Leonard’s Buch mit dem mir Gänsehaut bescherenden Titel „How to worship the Goddess & keep your balls“ empfohlen, sicherlich auch für Shaktis höchst lesenswert. Weitere Infos findet ihr auf seiner Website sacredriversoflove.com
Alles Liebe!
Chono (& Tandana)
Der Beitrag Sex-Tipps für Paare: Dürfen Männer schwanzfixiert sein? Yin & Yang Teil 2 erschien zuerst auf Wild Life Coaching.
Quelle: Sex-Tipps für Paare: Dürfen Männer schwanzfixiert sein? Yin & Yang Teil 2
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